In Memoriam

Wilhelm Leue

*11.07.1927 in Schwiebus; † 17.12.2002 in Schulzendorf

Kindheit in Hirschberg (Schlesien) und dort an der Oberrealschule (1932 – 1944) Abitur.

1945 Soldat und als Leutnant entlassen

1948 Nach Irrgang durch Deutschland zur Familie nach Haselberg

01.12.1949 – 1961 Lehrer an der Grundschule Schulzendorf und über Zentralschule Lüdersdorf, Eggersdorf und Reichenberg Wechsel ins Berufsschulfach.

01.09.1961 – 1990 Lehrer an der Berufsschule Heizung-Lüftung-Sanitär in Hennickendorf, im letzten Jahr vor dem Ruhestand als Direktor.

1994 – 1997 Bürgermeister in Schulzendorf, danach noch nach Eingemeindung Schulzendorfs nach Wriezen ein Jahr Ortsvorsteher.

01.11.1952 – 17.12.2002 Mitbegründer des Tanz- und Blasorchester Schulzendorf TBOS und 50 Jahre dessen Vorsitzender.

In Würdigung der Verdienste von Wilhelm Leue um das Tanz- und Blasorchester Schulzendorf erhielt der TBOS- Stiftungsfonds mit seiner Anstiftung am 4. Juni 2009 seinen Ehrennamen.

 

Albert Mahler

Bürgermeister Albert Mahler gilt als der Begründer des Freiwilligen Feuerlöschwesens in Brandenburg. Die von ihm 1855 begründete Wehr in Wriezen – die älteste im Land Brandenburg – war Beispiel und Muster für weitere Gründungen.

Der Stiftungsfonds für die Wriezener Wehr erhielt ehrenhalber den Namen des Gründers.

 

Wir schreiben jetzt das Jahr 1855.

Der Stadt Wriezen droht eine ähnliche Katastrophe, wie bereits im Jahre 1664.
Da kam dem damaligen Bürgermeister Albert Mahler der Gedanke, für die Stadt Wriezen eine militärisch organisierte Feuerwehr nach dem Muster der 1851 in Berlin geschaffenen Berufsfeuerwehr ins Leben zu rufen.
Gesagt, getan! Eine einberufene Bürgerversammlung hieß das Unternehmen gut und zehn Bürger stellten den ersten Stamm für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wriezen.
Die Stadt verfügte jedoch nicht über ausreichende finanzielle Mittel. Das Stadtsäckel gab demzufolge nichts her und so mußten diese zehn wackeren Männer ihre Ausrüstungskosten selbst tragen. Die Ausrüstung bestand damals aus einer blauen Leinenbluse, Wachstuchmütze mit großem Schirm, Ledergurt mit Steigerhaken oder Militärkoppel mit Schloß und Beil.
Ein Anfang war getan. Es war ein schwerer Anfang – aber sehr bald stellten sich die ersten Erfolge des Gedankens von Bürgermeister Mahler und seiner Mitstreiter ein.
Der 15. September 1855, vermutlich in Anlehnung an das Datum des Brandfestes, gilt als Tag der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wriezen.
Ein gutes Werk wurde begonnen und am 2. Januar 1857 brachte das damalige Potsdamer Regierungs-Amtsblatt eine Verfügung heraus, die in einem alten Heimatkalender nachzulesen ist.
Darin heißt es u. a.:
„Durch die Umsicht und unablässige Tätigkeit des Herrn Bürgermeister Mahler zu Wriezen ist es gelungen, in der Stadt Wriezen eine Freiwillige Feuerwehr, welche in der Probe höchst befriedigende Resultate geliefert hat, nach dem Vorbilde der Berliner Feuerwehr neu zu organisieren. Indem wir die Kommunen, insbesondere die Städte unseres Bezirkes, auf dieses Institut aufmerksam machen, empfehlen wir denselben, in ihren Orten gleiche Einrichtungen zu treffen.
Die näheren Nachrichten darüber wird auf Ansuchen der Bürgermeister Mahler gern erteilen.“
Viele Bürgermeister märkischer Städte und Ortschaften wandten sich daraufhin ratsuchend an Bürgermeister Mahler. Ja, es kamen sogar Anfragen von Orten, weit außerhalb des damaligen Potsdamer Regierungsbereiches, so aus Pommern, Preußen, Westfalen und dem Rheinland.
Aus der am 1.8.1855 ausgegebenen „Muster Instruktion für die Freiwillige Feuerwehr Wriezen“ geht hervor, daß die Feuerwehr militärisch organisiert und von einem Ratsherren befehligt wurde. Diese Instruktion, die insgesamt 71 Paragraphen enthielt, fand eine weite Verbreitung.
Stärke der Wehr 100 Mann, in 8 Inspektionen aufgeteilt, mit je einem Führer.
Die eigentliche Wehrmannschaft bestand aus 40 Mann (alles Handwerker).
Zwei Ratsherren beaufsichtigten die Spritzenmannschaft. Es waren zu jener Zeit 5 Spritzen vorhanden. Zu jeder Spritze gehörten zwei Spritzenmeister und für alle Spritzen zwei Schlauchmeister. Die Kosten der ersten Einkleidung und Einrichtung betrugen 1286 Taler und 20 Silbergroschen. Für die Unterhaltung wurden durch die Kämmerei der Stadt jährlich 100 Taler veranschlagt.
Text-Quelle: Feuerwehr Wriezen

Dr. Nobutsugu Koyenuma

*09. Oktober 1909 in Tokio; † 08. März 1946 Wriezen Auf dem Friedhof von Wriezen hat ein japanischer Arzt seine letzte Ruhestätte gefunden.

Wer war dieser ungewöhnliche Mann?

Nobutsugu Koyenuma wurde in Hatiouji geboren, einer Stadt im Westen Tokios, die für ihre Textilindustrie bekannt ist. Er war der älteste Sohn von Dr. Umeaburou Koyenuma, einem praktizierenden Chirurgen von hervorragenden Ruf, und dessen Ehefrau Hatu. Er hatte zwei Brüder und eine Schwester. Er war nach Abschluss der Second High School (heute Tatikawa High School) in Tokio an der Nippon Medical School immatrikuliert, wo er durch seine überragenden Leistungen in Mathematik auf sich aufmerksam machte. Anschließend wurde er als Forschungsassistent in der Abteilung für Radiologie in der Medizinischen Fakultät der Kaiserlichen Universität in Tokio zugelassen.
Im Frühjahr 1937 reiste Koyenuma dann von als japanischer Regierungsstipendiat nach Deutschland. Nachdem er zunächst am Kochinstitut der Berliner Universität immatrikuliert war, wurde er im Juli desselben Jahres als wissenschaftlicher Gast am Institut für Strahlenforschung der Berliner Friedrich-Wilhelm –Universität (heutige Humboldt-Universität) zugelassen. Im Jahr 1939 wurde Koyenuma Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Am 1. April 1941 stellte man ihn am Institut für Strahlenforschung zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft ein mit einer Vergütung von monatlich 120,- Reichsmark. Seit August 1937 veröffentlichte er nacheinander zahlreiche Artikel, die weltweit hohe Anerkennung fanden. Als Beispiele wären zu nennen: „Biologische Treffertheorie und Mutationserzeugung“ (Zeitschrift für Physik 114, 1939), „Die Löslichkeit der Thymonukleinsäure in einem Wasser“ (Biochemische Zeitschrift 304, 1940), „Zur Theorie der biologischen Strahlenwirkung“ (Zeitschrift für Physik 17, 1941), „Zur Frage der endogenen Entstehung krebserregender Stoffe beim Menschen“ (Gemeinsam mit W. Friedrich. Die Naturwissenschaften 30, 1942), Beiträge zur Theorie der biologischen Strahlenwirkung“ (Zeitschrift für Physik 120, 1943). Im Februar 1943 wurde Koyenuma mit der Vertretung einer planmäßigen Assistentenstelle am Institut für Strahlenforschung mit einer Vergütung von monatlich 342,01 Reichsmark betraut.

Ein Jahr später, im Februar 1944, schloss Koyenuma die Arbeit an seiner Habilitationsschrift zum Thema: „Über den Wirkungsmechanismus der Röntgenstrahlung und des Ultraviolettes auf wässrige Eiweiß- und Thymonukleinsäurelösung“ ab. Am 30. August 1944 stimmt das Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin seiner Habilitierung zu. Die Begutachtung der Habilitationsschrift übernehmen Walter Friedrich und der u.a. durch die Entdeckung der ATP bekannt gewordene Biochemiker Karl Lohmann.“ Im Oktober des Jahres schlug Professor Friedrich Koyenumas Habilitierung als Tagesordnungspunkt für die ordentliche Sitzung der Medizinischen Fakultät vor und der Dekan stimmte dem zu. Im Januar 1945 bittet Koyenuma den Dekan „um Rückgabe seiner bereits eingereichten Habilitationsschriften, da er noch einige Ergänzungen einfügen wollte. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Wenig später dürfte er ausgebombt und nach Eberswalde evakuiert worden sein“.

Koyenumas Arbeit wurde 1955 in überarbeiteter Fassung posthum durch seinen Kollegen Hans Schreiber veröffentlicht (Strahlentherapie, Bd.96, S 599-617, 1955) und mit einer Fußnote über Koyenuma versehen, in der er ausführt: „Da der behandelte Gegenstand unverändert aktuell ist, glaube ich, im Sinne des viel zu früh von uns gegangenen Kollegen zu handeln und eine Pflicht der Pietät zu erfüllen, wenn ich sein letztes Werk der Öffentlichkeit gebe.“

Professor Kurt-R. Biermann, der frühere Leiter der Alexander von Humboldt-Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften in Berlin, und Dr. I. Schwarz schrieben 1993 in einem Aufsatz in den „Mitteilungen“ der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem ich auch die hier angeführten Zitate verdanke, das er ein „Überdurchschnittlich begabter und kreativer Forscher“ und zudem der erste Wissenschaftler aus Asien gewesen sei, der hier seine Habilitation erworben habe.

Im Frühjahr 1945 näherte sich die Front. Berlin wurde täglich aus der Luft angegriffen. Am 18. März 1945 sammelte die japanische Botschaft in Berlin die japanischen Einwohner der Hauptstadt, die sich dann südwärts nach Salzburg absetzen konnten. Koyenuma ging nicht mit ihnen, da er in der Nähe Berlins bleiben wollte. In jenen tagen lernte er Frau Schneider, deren Mann im Krieg verstorben war, kennen. Da eine Schwester von Frau Schneider nordöstlich von Berlin wohnte, fand er zusammen mit ihr und deren fünfjährigen Tochter Christel dort Zuflucht.

Im September 1945 wurde Koyenuma aber durch den russischen Stadtkommandanten von Eberswalde nach Wriezen geholt, um die Bekämpfung der auftretenden Seuchen, vor allem des Flecktyphus, auf einer Seuchenstation als Chef- und einziger Arzt zu leiten. Im Zusammenhang mit der Angliederung Ostpolens an das Territorium der Sowjetunion strömten Vertriebene in großer Zahl in das grenznahe Wriezen ein. Koyenuma zog mit Frau Schneider und Tochter nach Wriezen um und nahm dort seinen Kampf gegen die heimtückischen ansteckenden Krankheiten auf.
Die Seuchenstation, in der er arbeitete, war zuvor eine Übungsschule der deutschen Panzerkorps gewesen. Nach einem Umbau ist sie heute das Rathaus der Stadt Wriezen. Anfangs bestand der Mitarbeiterstab der Stadt aus einem Arzt (Koyenuma), einem Assistenten, der vom Roten Kreuz abgeordnet war, sieben Krankenschwestern und drei Köchen.

Als Koyenumas Arbeit in der Seuchenstation immer mehr zunahm, verbrachte er den gesamten Tag damit, Patienten zu behandeln, Hausbesuche zu machen oder auch nach Berlin und in andere Städte zu fahren, um die in großen Mengen benötigten Medikamente herbeizuschaffen.

Es besteht kein Zweifel: Dr. Koyenuma kämpfte unter Einsatz seines Lebens gegen die Übermachte dieser furchtbaren ansteckenden Krankheiten und rettete dabei unzähligen Menschen das Leben. Und jedes Mal, wenn wieder ein Patient außer Gefahr war, pflegte er zu sagen: „Wieder ein Leben gerettet, welch ein Segen!“

Im Februar 1946 war er mit seiner Kraft und seiner Gesundheit am Ende. Das Typhusfieber befiel auch ihn. Dennoch zwang er sich seine medizinische arbeit fortzusetzen. Drei Tage vor seinem Tode war er nicht mehr im Stande, das Bett zu verlassen, sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Er flüsterte: „Ich wünschte, ich könnte noch einmal die Kirschblüten Japans sehen.“ Am 8. März 1946 verstarb dieser hervorragende Arzt und Forscher, von dem noch Großes zu erwarten wäre, ohne noch einmal nach Japan zurückgekehrt zu sein, das er neun Jahre zuvor verlassen hatte.

Posthum zum Ehrenbürger der Stadt für seine Verdienste um die Seuchenbekämpfung wurde er am 03. Juli 1994 ernannt.